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„Bold As Light“ Stephan Micus’s 19tes Album
erschienen bei ECM Records.
Die drei Hauptprotagonisten auf dem neuesten Album „Bold As Light“ sind die Raj Nplaim (ein Bambus-Blasinstrument mit einer durchschlagenden Metallzunge) aus Laos, die Nohkan (Bambusflöte) aus Japan und die vielen Stimmen, die alle von Micus selbst vorgetragen werden. Inspirationen kommen hier von den fesselnden polyphonen georgischen und bulgarischen Gesängen, die seit dem frühen Mittelalter den Stil des täglichen Singens prägen sowie auch die Liturgie der Orthodoxen Kirche.
Auf dem letzten Track machen die eingewebten Stimmen Platz für die Japanische Sho (Mundorgel), hier verbinden sich verschiedene akustische Welten zu einem einzigen Klang, wobei die divergierenden Timbres erstaunlich viel gemeinsames haben.
Und natürlich repräsentiert jedes Instrument eine Kultur, eine ästhetische und auch religiöse Gedankenwelt. Das Wissen darüber fügt nicht nur eine zusätzliche Dimension zur Musik, es hilft auch zuweilen die Klangbeziehungen untereinander zu klären.
Micus:“ Die Raj Nplaim ist ein Instrument der Hmong, ein Volksstamm, der in Laos, Thailand, Vietnam und China lebt. Auch wenn ihr Klang anderes vermuten lässt, ist sie eine horizontal gehaltene Bambusflöte. Das schmale Metallzungen-bestückte Mundstück vibriert frei, wenn ich sie blase. Der Klang hat eine Verbindung zur Harmonika, Mundharmonika und auch zum Akkordeon. In der Tat gehören alle diese Instrumente zu einer Familie: Aus der Region der Raj Nplaim kommt auch die Khaen, der Prototyp der chinesischen und japanischen Mundorgeln. Die Sheng und Sho waren hingegen die Vorgänger des Akkordeons und Bandoneons.“
„Unter den Hmong wird die Raj Nplaim gewöhnlich als Solo Instrument gespielt,“ setzt Micus fort. „Man kann hierzu Beispiele auf YouTube finden, ein Medium, das ich selten nutze, aber in diesem Fall gibt es die Möglichkeit die traditionelle Spielweise zu hören. Jahre nach meiner Laos-Reise hatte ich die Idee mehrere Raj Nplaim gleichzeitig zu spielen. Diese ergeben einen Akkordeon-ähnlichen Klang, jedoch mit dem feinen Unterschied, dass die Raj Nplaim Glissandi erzeugen kann, was weder das Akkordeon noch das Bandoneon kann.“
Neben den traditionellen Instrumenten aus Japan, Laos, Bayern, Tansania und Gambia, die Micus auf „Bold As Light“ spielt, stellt er speziell für dieses Album noch zwei neue Instrumente vor: Die Akkord-Zither und die Bass-Zither. Er kombiniert diese mit der Nohkan, die in der Tradition auch nur solo oder in Begleitung von Trommeln und Gesang gespielt wird.
Äußerlich ist die Nohkan der Raj Nplaim in gewisser Weise ähnlich: Auch die nohkan ist ein horizontal gehaltenes Windinstrument. Aber im Klang sind sie sehr unterschiedlich. Micus: „Die Nohkan kann sehr hoch und laut klingen. Auch hat der Klang etwas ungreifbares und beängstigendes in sich, was mit der Intonation zusammenhängt, welche von Instrumentenbauern bewusst „verstimmt“ wurde.
Micus sucht nach Erklärungen für den „nicht greifbaren“ Ton im traditionellen Umfeld der Nohkan, im Japanischen Noh Theater. „Die Musik des Noh Theaters ist möglicherweise die befremdlichste Musik, die Menschen auf diesem Planet je erzeugt sind“, sagt er. „Sie ist sehr schwierig aufzunehmen. Wenn es einem nicht gelingt, kann das Noh Theater zu einer Tortur werden, wenn doch, dann ist es eine sehr außergewöhnliche Erfahrung, die einen aus dem Zeitbewusstsein heraushebt.“
Micus war in der glücklichen Lage, mit einem traditionellen Nohkan Lehrer zu studieren. Er lernte über die Natur des Instrumentes, dass sich darin ein Stück Bambus verberge, wodurch das Instrument beim Überblasen außergewöhnliche Tonhöhen produziert, was ein Spielen von konventionellen Melodien unmöglich macht. Das passt wiederum mit der abstrakten Ästhetik des Noh Theaters zusammen, wo Musik, Tanz und Kostüme eine außerirdische Wirklichkeit darstellen, weit entfernt von der weltlichen Realität.
Und so wie alle Werke von Micus sind auch die Kompositionen auf Bold As Light mit einander verbunden, musikalische Protagonisten kehren wieder, sie scheinen die gleiche Geschichte zu erzählen, jedoch aus ihrer einzigartigen Perspektive. Und worum geht es dabei? Geht es hier um die Ursprünge der spirituellen Gedanken und Taten des Menschen? Um die Führung durch das Licht, und die Ver-Führung durch das Dunkel? .
„Wenn ich Musik komponiere, stelle ich mir nie derartige, konzeptionelle Fragen“, so Micus, tatsächlich bin ich ein sehr praxis-bezogener Mensch. Dennoch weiß ich, dass meine Arbeit in vielen verschiedenen Weisen verstanden wird. Und jede Geschichte, die die Zuhörer in meiner Musik finden, hat ihren Wert.
„Bold As Light“ ist Stephan Micus’s 19tes Album bei ECM Records.
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